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Wolken
Wenn dunkle Wolken dich verdrießen, Wenn alles auseinanderbricht, Musst du die Augen schließen, Dann siehst du wieder Licht. Ist dieses Licht auch noch so fein, Es wird dir Hoffnung geben. Ist diese Hoffnung noch so klein, Sie bedeutet leben.
Flug der Sehnsucht
Die Wolke trägt die Sehnsucht fort. Ich muss jetzt daran denken. Wohin, zu welchem schönen Ort, Wird sie das Schicksal lenken? Ist es das Paradies auf Erden? In einem weit entfernten Land? Wo man glücklich könnte werden, Wäre dieses Land bekannt? Oder trägt die Wolke sich Und meine Sehnsucht weit hinaus. Sie wird finden sicherlich Ruhe in einem fremden Haus. Ich schau der Wolke hinterher, Die Sehnsucht winkt ein letztes Mal, Dann bleibt der Himmel öd und leer. Ich fall zurück ins Jammertal. Dann schau ich weit zum Firmament, Sehe ein Wölkchen klein und fein. Ich spüre, wie die Sehnsucht brennt, Jetzt möchte ich ein Flieger sein.
Fehltritt
Wenn du auf der letzten Sprosse der Leiter Glaubst, es geht nach oben noch weiter, Dann geht mit dem nächsten Schritt Auch dein letzter Gedanke mit, Der dir sagt: „Du hast es gewagt. Es ist jetzt vorbei, Du wirst jetzt zu BREI“.


Der Tautropfen
Ich musste mir heute Zeit etwas borgen, um einmal am taufrischen Morgen, die Tropfen an Blätter und Halmen zu sehen, an denen wir sonst achtlos vorübergehen.
Diesmal bin ich sehr früh schon vor Ort, und sehe die glitzernde Nässe sofort. Es leuchtet von fern die Fläche im Gras, der Wind ist kalt, der Boden ist nass.
Ich beuge mich tiefer in das Gras hinein, und spüre Feuchtigkeit am Bein. Mein Finger sich sacht durch das Grüne drängt, zu einem Tropfen der zitternd am Halme hängt.
Ich gebe dem Tropfen einen Stoß, er füllt sich mit Wasser und wird dadurch groß. Er ist so prächtig vollgefüllt, von einer zarten Haut umhüllt.
Ich möchte sehen wie er fällt, flugs am Boden nass zerschellt. Ich sehe ihn schwer am Halme wanken, ein neuer Stoß bringt ihn ins schwanken.
Und eh ich es so richtig sah, er plötzlich schon am Boden war. Er platzte nicht wie ich gedacht, er hat sich etwas breit gemacht.
Auf einem umgeknickten Blatt, er still nun seine Ruhe hat. Doch wäre ich nicht Mensch genug um mit dem allerletzten Zug, ihn gänzlich nun zerstört zu sehen. So musste es nun weitergehen.
Meine Finger sind zerkratzt, der Tropfen war nun doch zerplatzt. Und ich sah der Tropfen viele, glitzernd hell im Wechselspiele.
Was ich glaubte wohl zu sehen, kann ich einfach nicht verstehen. Es ist als trübte sich mein Blick, die Tropfen waren matt und dick. So will - so muss ich wohl erwähnen, ich sah ein großes Meer von Tränen.
Der Frühling
Kühler Wind im Sonnenglanz, süße Wonne, klare Luft, Ein Hauch durchdringt den Knospenkranz, verheißungsvoller Frühlingsduft.
Einst gestorben, neu geboren, klingt ganz nah der Vogelruf. Erneut hat Gott euch auserkoren, womit er große Freude schuf.
Die Menschenseelen aber lauschen, auf das Erwachen neuer Zeit. Die Bäume biegen sich und rauschen, in ihrem bunten Frühlingskleid.
Glücklich klingt das Vogellied, in den Bäumen und am Hang, und wie froh ist, wenn man sieht, Wie sie sich tummeln im Gesang.
Hurtig springt von Ast zu Ast, Amsel. Drossel und der Star. Schweigend halten wir hier Rast, denn dieses Bild ist wunderbar.
Vergiß-mein-nicht und Flieder, zeigen ihre Pracht, sie kehren immer wieder, solang' die Sonne lacht. Aus seinem Nest ruft mich ein Spatz, als wollt' er stören meinen Traum. Lächelnd suche ich den Platz, in einem kleinen Wiesensaum. Ich spüre dieses feuchte Gras, noch ist die Sonne nicht so stark, um zu tilgen dieses Nass, in der des Winters Schleier lag.
Gleich einem Vogel möchte ich fliegen, so wie ein kleiner Sperling. Möchte mich in Ästen wiegen, und grüßen meinen Frühling.
Der Stein
Dieser Stein in meiner Hand, wo ist er hergekommen? Er ist gewandert durch das Land, ich hab ihn mitgenommen.
So glänzend schön,so klein,so fein, fand ich ihn auf dem Weg ins Feld. Ich hob' ihn auf, nun ist er mein, er ist ein Stückchen dieser Welt.
Wie lange schon, wer mag es wissen, lag dieser Stein an diesem Ort, die Erde sanft sein Ruhekissen. Wind und Sturm trug ihn nicht fort.
Es haben Menschen und Maschinen, da brauchen wir nicht lang' zu fragen, unaufhaltsam wie Lawinen, diesen Stein durchs Land getragen.
Was er wohl zu erzählen wüsst` ich würd` es gern erfahren, weil das dann die Erkenntnis ist, die ich brauch in meinen Jahren.


Die Straßenmalerin
Sitzt du des nachts auf einer Bank, dann siehst du sie vorübergehen. Gerade an deiner Bank entlang, kannst du kurz ihr Antlitz sehen.
Ihr langes Haar hebt sich im Wind, frieren muss sie, es ist kalt. Wie ein Wiesel läuft geschwind, das Mädchen durch den dunklen Wald.
Sie schaut dich auf der Bank nicht an, sie schenkt dir keinen einzigen Blick. Dein Auge hängt noch hintendran, da bleibt das Dunkel nur zurück.
Schaue nur genauer hin, das ist die Straßenmalerin.
Sie liebt das Dunkel einer Nacht, früh morgens dort hindurch zu gehen. Sie kann mit voller Farbenpracht, ganz früh auf ihrer Straße stehen..
Denn sie hat sich losgesagt, von gesellschaftlicher Pflicht. Sie geht durchs Leben unverzagt, und hört die vielen Störer nicht.
Eilt der Tag mit Licht herbei, sitzt sie in Straßen und in Gassen, Um beim ersten Hahnenschrei, zu warten auf die Menschenmassen.
Schaue nur genauer hin, Das ist die Straßenmalerin.
Dann malt sie in Farbenpracht, ihre Seele in den Raum. Was sie kunstvoll dargebracht, entstand zuvor in ihrem Traum.
Ein alter Blechtopf steht daneben, er füllt sich rasch mit kleinem Geld. Ein bisschen Mehr zum Weiterleben, ein Tag länger auf der Welt.
In ihren Augen bricht das Licht, die Schöpfung gibt ihr einen Kuss. Sie sieht die vielen Menschen nicht, Weil sie schneller malen muss.
Schaue nur genauer hin Das ist die Straßenmalerin.
Hat sie ihr Werk zu End gebracht, ergreift sie hastig noch ihr Geld, und verschwindet in der Nacht, die sie fest umschlungen hält.
Sie hustet stark, kein Arzt ist nah, kein Mensch reicht ihr die Hände. Niemand ist so wirklich da, der hilfreich bei ihr stände.
Du möchtest sie gern wiedersehen, des nachts auf deiner Bank? Doch niemand wird vorübergehen, an deiner Bank entlang.
Du wirst sie irgendwann beklagen, So wie sie lebte starb sie auch. Man hat sie kürzlich erst begraben, Unter einen Brombeerstrauch.
Schaue nicht mehr weiter hin, Es war die Straßenmalerin.
Ein Jahrhundertgrab
Dunkel liegst du auf dem Grund schon seit über hundert Jahren schweigt dein Herz, schweigt dein Mund ohne Fragen nie mehr fragen.
Traurigkeit ist unsere Bande leben müssen wir in ihr du spürst und hörst nicht unsere Schande du totes Mahnmal hier vor mir.
Du magst in deiner Zeit gelitten geliebt, gehasst, geschlagen sein so ging dein Rufen, Flehen, Bitten auch in deine Ängste ein.
So sahst du manchen grauen Morgen verzehrt in der Gedankenflut wolltest schlafen tief verborgen bis Flamme lischt zur heißen Glut.
Suchtest hier und dort dein Glück warst getrieben auf den Wogen hin und her, vor und zurück hat das Leben dich betrogen ?
Eingebettet in der Gruft hast du es geschafft, vorbei dein Leben ich stehe hier in feuchter Luft Hoffnung kannst auch du nicht geben. Was uns über Zeit verbindet ist das Menschsein hier auf Erden dein toter Geist hat es verhindert was ich weiter sehen werde.
Mach es gut, ich gehe vorbei lass weiter modern dein Gebein irgendwann bin ich dabei dann bettet man mich auch so ein.
Heuchelei Ich höre die Glocke wohl aus der Ferne erst leise, dann stark im Akkord ich höre die Glocke so gerne Sonntag ist es unten im Ort.
Ich stehe weit ab auf dem Hügel im Wind schaue hinab auf das Häusermeer und frage mich wo denn die Menschen sind die Straßen und Plätze sind leer.
In einem Haus mit spitzem Giebel stehen sie alle gedrängt und dicht von der Last ihrer Seelen nach innen getrieben singend und betend im Kerzenlicht.
Eine Stimme erhebt sich grollend wie Sturm ruft nach dem Himmel, nach Jesus, nach Gott die Glocke schlägt lauter jetzt noch vom Turm o welch' ein Hohn, o welch' ein Spott.
„Gott vergib“ ruft die Stimme jetzt klar unsere Sünden, stell' neu unsere Weichen ich auf dem Hügel frage ist's wahr? Kann man die Sünden mit Worte begleichen.
Es kocht meine Seele, in den Adern das Blut ich öffne mein Herz und mache mich frei mein Körper zittert in rage vor Wut es entflieht meiner Brust ein markiger Schrei.
Eure Seelen da unten sind böse und schlecht meine hier oben parallel dazu auch es ist nur billig, notwendig und recht zu brechen mit diesem seltsamen Brauch.
Ihr habt gelogen gehasst und betrogen ihr konntet am Rade der Macht eifrig drehen ihr habt den Schwachen das Rückgrat verbogen und seine Tränen gesehen.
Wünsche und Hoffnungen habt ihr zerstört abgetötet mit Lust jeden Schrei ihr habt die Hilferufe gehört was soll jetzt nur die Heuchelei.
Was geht euch bloß der Nächste an er ist euch fern und fremd und wenn ihr könntet irgendwann ergreift ihr auch sein letztes Hemd.
Zieht auch der Sonntag nun vorüber geht alles wieder von vorne los ihr stürzt euch sacht und fein kopfüber in den grauen Alltag Schoß.
Macht es wie ich auf diesem Hügel schaut euch offen ins Gesicht erteilt euch gegenseitig Rüge mehr zum Erkennen braucht ihr nicht.
Reicht dem Nachbarn eure Hand drückt sie fest, doch mit Gefühl ihr seit alle artverwandt zur Menschlichkeit gehört nicht viel.
Ach was soll's der Mensch ist so resigniert bleib ich hier stehen auf dieser Welt wird niemand froh man kann sich selbst ja nicht verstehen.
Bäche sie rauschen Wind wird zum Sturm ich werde lauschen auf die Glocke im Turm.
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